Piombi Trail am Gardasee – Wenn der Monte Baldo keine Fehler verzeiht

Es gibt Trails am Gardasee, die man fährt.
Und es gibt Trails, die dich fahren.

Der Piombi Trail oberhalb von Malcesine gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Wer hier mit dem Bike einrollt, sollte nicht nur starke Beine, sondern vor allem starke Nerven mitbringen. Denn was am Monte Baldo zunächst nach entspanntem Waldtrail aussieht, entwickelt sich schnell zu einer der brutalsten technischen Abfahrten rund um den Lago.

Uphill mit Aussicht – oder Gondel mit Stil

Der Klassiker startet direkt in Malcesine. Von dort geht’s entweder über steile Asphalt- und Schotterwege bergauf oder gemütlicher mit der Seilbahn Malcesine-Monte Baldo bis zur Mittelstation San Michele.

Egal wie man hochkommt – spätestens am Bocca Tratto Spino wird klar: Heute wird kein entspannter Feierabendride.

Dort zweigt der Weg Nr. 2 Richtung Piombi ab. Anfangs noch harmlos. Flowiger Waldboden, schattige Buchenwälder und mit dem E-MTB erstaunlich gut fahrbar. Fast schon zu schön, um wahr zu sein.

Und genau das ist die Falle.

Piombi liefert Postkartenblicke und Herzrasen

An der Waldhütte Piombi öffnet sich plötzlich der Blick auf den Gardasee. Tief unten glitzert das Wasser, während sich die Felsen des Monte Baldo dramatisch Richtung Himmel ziehen. Einer dieser Momente, wo man kurz stehen bleibt, den Helm abnimmt und einfach nur schaut.

Doch lange genießen sollte man nicht, denn dann ändert der Trail seinen Charakter komplett.

Jetzt wird’s ernst

Ab dem Übergang auf Weg Nr. 7 beginnt der eigentliche Wahnsinn.

Der Trail kippt brutal steil nach unten, die Kehren werden enger, die Linien ruppiger. Lose Felsen, tiefe Auswaschungen und grobes Geröll verlangen maximale Konzentration. Hier reicht „gut fahren“ nicht mehr aus.

Hier brauchst du saubere Bremstechnik, Balance und die Fähigkeit, auch im Chaos noch eine Linie zu erkennen.

Die Schwierigkeit bewegt sich konstant im Bereich S3+, viele Passagen gehen Richtung S4 bis S5. Einige Spitzkehren fühlen sich eher nach Enduro-Rennen als nach Gardasee-Urlaub an.

Wer hier zu spät bremst, steht nicht mehr.

Oder liegt.

Der versöhnliche Schluss

Erst im unteren Abschnitt am 659er Trail wird der Untergrund wieder freundlicher. Der Flow kehrt zurück, die Arme entspannen langsam und plötzlich merkt man erst, wie hart der obere Teil eigentlich war.

Unten in Malcesine wartet dann meistens genau das, was man nach so einer Abfahrt braucht: kaltes Getränk, schwere Unterarme und dieses Grinsen, das nur richtig harte Trails erzeugen.

Tourdaten

  • Länge: 17,5 km
  • Höhenmeter: 1250 Hm
  • Fahrzeit: ca. 3 Stunden mit E-MTB
  • Schwierigkeit: überwiegend S3+/G3
  • Schlüsselstellen: mehrere Passagen S4 bis S5/G4
Download file: Piombitrtail.gpx

Fazit

Der Piombi Trail ist keine Genussrunde für zwischendurch.
Er ist ein echter Monte-Baldo-Klassiker für technisch starke Rider, die steile und verblockte Trails lieben.

Wer sich hier sauber runterarbeitet, bekommt nicht nur eine der spektakulärsten Abfahrten am Gardasee serviert – sondern auch eine ordentliche Portion Demut.

Und genau deshalb fährt man solche Trails.

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