“Herzblut”

Erste Begehung:  Wolfgang Falkner, Heinz Zak, Viktor Gruber Erstbegehung im Vorstieg an mehreren Tagen im Sommer 2012, dann Rotpunktbegehung in Wechselführung am 14. Sept. 2012. Der Großteil der ersten Seillänge wurde bereits 2009 von Wolfgang Falkner und Viktor Gruber erstbegangen.

Nach der Erstbegehung schwankten wir zwischen mehreren Namen für diese einzigartige Linie und  gewiß eine der allerbesten Kögltouren. “No Country For Old Men” hätte uns auch ganz gut gefallen, da wir ja beide in der Liega 50+ klettern. Richtig stimmig und treffend wurde für uns dann aber “Herzblut”. Während der Erstbegehung erlebten wir einige wirklich gefährliche Situationen und dachten öfter darüber nach, ob wir uns das weiter antun sollten. Aber wir waren Feuer und Flamme für die Linie, die wir uns in den Kopf gesetzt hatten: Mitten durch den glatten Plattenpanzer und oben über den wuchtigen Pfeiler, der wie eine mächtige Keule aus der Wand ragt. Weil von diesem Pfeiler im Mai 2011 ein riesiger Felssturz abgegangen war, waren wir zunächst relativ skeptisch in Bezug auf die Felsqualität. Schon beim Zustieg surrten immer wieder Brocken aus dem abgebrochenen Wandteil, aber wir befanden uns meistens außerhalb der Falllinie. Die düstere und wilde Wand war ebenfalls gewöhnungsbedürftig – ganz großes Kino, könnte man sagen! Die Bohrhaken setzten wir entweder aus der Kletterstellung oder an Skyhooks hängend – für Klemmkeile oder Normalhaken ist die Wand schlecht geeignet.

Charakter der Route:

Ausgesprochen lohnende Kletterei in großteils gutem Fels. Wunderbar ausgesetzt! Senkrecht bis überhängende Kletterei an Leisten. Die erste Seillänge ist sehr gut abgesichert – hier gilt es eher, die fragilen Griffe und Tritte nur minimal zu belasten, also auf leisen Sohlen weich greifend höherschleichen…sonst kann man leicht etwas ausreißen. Die zweite Länge ist schön und gut gesichert. Die dritte Seillänge ist eher ernst und es lohnt sich, lieber langsam und ruhig zu klettern…man könnte hin und wieder auf die Absätze am Fuß der Verschneidungen fallen.

Die vierte Seillänge ist traumhaft steil, wie in den Zinnen. Nur der Ausstieg ist eher “kögl-like” …und hier kann man aus der letzten Wandstelle gut 15 Meter in die Luft fallen! Die fünfte Länge ist sehr steil und etwas brüchig, wenn man die falschen Griffe nimmt. Sechste und siebte Länge sind kein Problem. Die letzte Länge ist brüchig und eine Stelle  anspruchsvoll und gefährlich – hier sollte man im Grad 6+ noch genug Reserven haben!

Routenverlauf:

Direkt über den “Riepenpfeiler”. Einstieg 15 Meter rechts der Route von Andi Orgler. Im weiteren Verlauf liegt Andi’s Route ca. 30 Meter weiter links. In der letzten Länge liegen 5-20 Meter zwischen  Routen.

Zustieg:

Auf gutem Weg zunächst Richtung Seejöchl. Wenn man relativ nahe an die großen Felstrümmer ca. 150 Höhenmeter unterhalb der Wand herankommt, den Weg nach links in eine Bergwiese verlassen und am rechten Rand der Boulderblöcke teils auf schwachen Steigspuren ziemlich gerade hinauf auf den Weg unterhalb der Wand. Nach links in eine Nische am Fuß des Vorbaus. Hier den Helm aufzusetzen ist ratsam. Im Geröllfeld links am Wandfuß entlang aufsteigen, bis man über ein abschüssiges Band 60 Meter nach rechts queren kann. Über eine Stufe hinauf auf ein gutes Band am Einstieg.

Abstieg:

Am besten über die Route abseilen oder über den brüchigen Grat weiter zum Gipfel (3-4. Grad, keine Sicherungen).

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